Zaungäste der Personalisierung

Denken wir einmal an das Nutzungserlebnis eines durchschnittlichen Users in Deutschland. Man öffnet Spotify, was kriegt man zu sehen? Alben, die man gern hört, algorithmisch zusammengestellte Playlists und Empfehlungen. Man öffnet Netflix, was kriegt man zu sehen? Eine personalisierte Auswahl an Serien und Filmen aus der großen Netflix-Bibliothek. Man öffnet Instagram, was kriegt man zu sehen? Algorithmisch zusammengestellte, auf den einzelnen User abgestimmte Posts. Personalisierung ist überall. Es ist der Default im Digitalen.

Es sei denn: Man öffnet eine x-beliebige deutsche Nachrichtenseite. Da ist (insbesondere wenn man kein registrierter User oder zahlender Abonnent ist) so gut wie nüschte personalisiert. Das muss aus einer normativen Sicht gar nicht schlecht sein! Dass JournalistInnen filtern, sortieren und kuratieren, was aus einer gesellschaftlichen und nicht rein individuellen Sicht wichtig ist, hat für ein demokratisches Gemeinwesen einen großen Wert. Angesichts fundamentaler Umwälzungen der digitalen Medienwelt, neuen Konkurrenten und der ökonomischen Krise des Journalismus zweifeln wir aber daran, dass der Verzicht auf Personalisierung eine gute Idee ist. Andererseits ist die technische Umsetzung von personalisierten Empfehlungssystemen nicht ohne unternehmerische und journalistische Risiken machbar. Ein kleines Dilemma.

Zusammen mit Frank Lobigs, Professor für Medienökonomie am Institut für Journalistik der TU Dortmund, habe ich einen Beitrag für die Fachzeitschrift MedienWirtschaft über den Stand der Personalisierung deutscher Nachrichtenseiten geschrieben. Zu finden hier (Achtung! Paywall!).

Darin finden sich auch einige Überlegungen wie sich das o.g. Dilemma vielleicht lösen ließe.

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